Fernbus Vergleich

Was bieten die Alternativen zu Flugzeug und Bahn wirklich?

Von Köln nach Brüssel für 9,00 €. Was erst einmal wie ein Lockangebot eines Billigfluganbieters klingt mit dem Problem, dass dann lediglich eine sehr begrenzte Anzahl an Plätzen für diesen Preis erhältlich ist, entpuppt sich schließlich als etwas gänzlich anderes. Der Fernbusanbieter Flixbus hat genau diesen Preis aktuell als Topangebot für die Fahrt von Köln nach Brüssel ausgerufen. Natürlich ein Sonderangebot zu einer Fahrzeit mitten in der Nacht, doch ein gutes Beispiel für die niedrigen Preise, die Fernbusse in der Regel anbieten können.

 

Ein anderes Beispiel ist die Strecke Berlin – München. Hier sind es im Augenblick im Schnitt 22,00 Euro, die für eine einfache Fahrt fällig werden, ganz ohne Topangebot, ohne Nachtfahrt und ohne große Werbung. Ein ganz normaler Preis. Und doch außer Konkurrenz, wenn man sich die Fahrpreise der Bahn anschaut oder die Flugpreise als Vergleich heranzieht. Und auch mit dem eigenen Auto kann man die Strecke kaum günstiger zurücklegen. Stellt sich die Frage, wieso Fernbusanbieter mit so niedrigen Preisen aufwarten können und was Fernbusse letztlich wirklich zu bieten haben.

Der Fernbus – vom Nischenangebot zum Dauerbrenner

Anbieter wie Graf-Reisen oder andere ähnliche Reiseunternehmen, die einen eigenen Busfuhrpark haben, haben immer schon Busreisen angeboten. Früher sahen diese allerdings so aus, dass ein Bus die Reisegruppe, die eine Buspauschalreise gebucht hatte, an ein bestimmtes Ziel gebracht hat, dort geblieben ist um die Gruppe an einem Tag oder an mehreren Tagen des Aufenthaltes, je nachdem wie das Angebot gestaltet war, zu verschiedenen Ausflügen zu bringen, und schließlich die Reisegruppe wieder nach Hause gebracht hat. Reiseangebote wie diese waren eine perfekte Alternative, wenn es um Städtereisen ging, oder beispielsweise um eine Reise an den Gardasee. Und noch heute erfreuen sich derartige Bus-Pauschalreisen einer gewissen Beliebtheit, haben sie doch ihren ganz eigenen Charme.

 

Flixbus-Fernbus

 

In den letzten Jahren hingegen hat sich der Markt der Busreisen beträchtlich erweitert. Denn Fernbusse sind zu einem neuen Reisemittel geworden, wie etwa die Bahn oder das Flugzeug. Und das nach dem Stil des öffentlichen Personennahverkehrs. Man kauft ein Ticket, steigt ein und an dem Ort, zu dem man wollte, steigt man wieder aus. Eine einfache Art zu reisen, ganz ohne Stress und die Anstrengung, selbst weite Strecken Auto fahren zu müssen. Und so ist aus dem Nischenangebot, dass einige Anbieter von Bus-Pauschalreisen für sich entdeckt hatten, eine echte Alternative zu den Angeboten von Billigairlines und der Bahn geworden. Stellt sich die Frage, was diese Fernbusse letztlich tatsächlich anbieten. Denn von A nach B zu kommen, ist die eine Sache. Dabei aber günstig den bestmöglichen Komfort genießen zu können, die andere.

 

Daher habe ich mir einfach einmal drei große Fernbusanbieter herausgesucht, um deren Preise und Leistungen ein Stück weit miteinander zu vergleichen.

 

Berlinlinienbus.de – einer der ältesten Anbieter am Markt überhaupt

Es gibt einen Grund dafür, dass Fernbusse erst in den letzten Jahren wirklich in Mode gekommen sind. Rechtliche Hürden. Denn das Personenbeförderungsgesetz sieht vor, dass die Einrichtung einer Fernbuslinie nur dann möglich und erlaubt ist, wenn dadurch eine „wesentliche Verbesserung der Verkehrsbedingungen“ gegeben ist. Mit dem Argument, die Bahn würde doch im Prinzip alle wichtigen Reiserouten innerhalb Deutschlands und auch ins Ausland abdecken, hat man somit über Jahrzehnte die Entwicklung von Fernbuslinien blockiert. Erst 2010 gab es ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts, dass schon eine für den Kunden bessere Preisstruktur im Vergleich zu Bahn und Flugzeug als eine solche „wesentliche Verbesserung der Verkehrsbedingungen“ zu werten sei.

Das Urteil war quasi der Startschuss für die Gründung verschiedener Fernbusunternehmen und der Grund dafür, dass eigentlich alle Anbieter von Fernbusreisen, die ihren Sitz in Deutschland haben, erst nach dem Jahr 2010 an den Start gegangen sind. Alle, bis auf Berlinlinienbus.de.

 

Denn das Unternehmen, dass seinerzeit noch Berlin Linien Bus hieß, wurde 1947 in Westberlin gegründet und hat im Laufe der langen DDR die Einrichtung von Fernbuslinien in die Westdeutschen Großstädte mit der schwierigen Bahnverbindung durch die Transitzone begründen können. Man kann somit sagen, dass das Unternehmen ein absoluter Vorreiter auf dem Gebiet der Fernbusreisen war. Bleibt die Frage, was das Unternehmen, dass inzwischen einer Interessengemeinschaft verschiedener Verkehrsverbände und Unternehmen gehört, seinen Fahrgästen so anbieten kann.

Um eine gewisse Vergleichbarkeit zu schaffen, habe ich mir einfach einmal eine Route ausgesucht, für die ich bei allen Anbietern den Preis miteinander verglichen habe. Außerdem habe ich mir angeschaut, wer kostenloses WLAN an Bord anbietet, wer Strom zum Aufladen von Endgeräten anbietet, wie die Zahlungsmodalitäten aussehen und wie es mit der Gepäckfrage und dem Reisekomfort bestellt ist.

 

Reise-mit-dem-Fernbus

 

Vergleichswerte im Überblick:

Die Hin- und Rückfahrt von Berlin nach Paris an einem Wochenende im November kostet bei diesem Anbieter aktuell pro Strecke 76,50 Euro, wobei man für die Rückfahrt ein vergünstigtes Ticket für 19,00 Euro bekommen kann. Kostenloses Wlan ist in allen Bussen der Flotte verfügbar ebenso wie Steckdosen und Klimaanlagen. Mit einem Sitzabstand zwischen 77 und 87 cm trägt der Anbieter auch dem Umstand, dass zuweilen auch größere Menschen Bus fahren, Rechnung. Snacks und Getränke sind während der Fahrt verfügbar. Zur Unterhaltung kann man kostenlos verschiedene Zeitschriften auf ein eigenes Endgerät herunterladen. Das Handgepäck darf bei Berlinlinienbus.de kostenlos mitgeführt werden. Für die ersten zwei Gepäckstücke, die nicht Handgepäck sind, zahlt man den symbolischen Preis von jeweils 1,00 Euro. Ab dem dritten Gepäckstück sind es dann schon 10,00 Euro. Die Mitnahme ist auf vier Gepäckstücke begrenzt.

 

MeinFernbus und Flixbus.de – Testsieger der Stiftung Warentest

Im Juli 2014 veröffentlichte die Stiftung Warentest einen Testbericht, in dem mehrere Fernbusanbieter miteinander verglichen wurden. Den Test gewann der Anbieter Flixbus, der selbst seit 2011 am Markt ist und somit zu den Ersten gehörte, die nach dem oben genannten Urteil den Markt zu erobern begannen. Im April 2015 bot Flixbus über 1.100 verschiedene Linien an, eine Zahl, die sich inzwischen weiter erhöht haben dürfte, vor allem nach der Fusion von Flixbus.de und Meinfernbus.de. Bleibt die Frage, was Flixbus.de auf diesen Linien den Kunden tatsächlich bieten kann und welche Preise dafür fällig werden.

 

Vergleichswerte im Überblick:

Am gleichen Wochenende im November wie bei den anderen Vergleichspartnern kostet die Fahrt von Berlin nach Paris am Freitag mit einer Rückfahrt am Sonntag im günstigsten Preis (kein Sonderangebot, sondern einfach die preisgünstigste Verbindung) pro Strecke 39,00 Euro. Damit liegt Flixbus.de im Preisvergleich deutlich unter Berlinlinienbus.de. Auch hier sind alle Busse mit kostenlosem Wlan, Steckdosen und Klimaanlagen ausgestattet. Der Sitzabstand ist mit grundsätzlich 83 cm durchaus komfortabel. Snacks und Getränke sind ebenfalls verfügbar. Flixbus.de informiert seine Kunden sogar per SMS über Busverspätungen. Allerdings wird an Bord keine Unterhaltung angeboten. Handgepäck ist auch hier kostenlos, ebenso wie die ersten beiden Gepäckstücke. Jedes weitere Gepäckstück ist anzumelden und kostet 5,00 Euro.

 

Der Postbus

Wenn man einen Automobilclub und eines der größten deutschen Transportunternehmen zusammensteckt und beide gemeinsam einen Fernbusanbieter aus der Taufe heben, sollte dabei ja eigentlich ein richtig gutes Produkt entstehen. So geschah es im Jahr 2013, als der ADAC Postbus gegründet wurde, eine Tochterfirma des ADAC und der Post, die jeweils zu 50 % beiden Eignern gehörte. Ziel war tatsächlich seinerzeit den Kunden Fernbusreisen mit mehr Komfort und Service anzubieten. Inzwischen ist der ADAC wieder ausgestiegen und die Flotte fährt mit gelben Bussen unter dem Logo Postbus weiter durch Deutschland und Europa.

Vergleichswerte im Überblick:

Auf der genannten Strecke beträgt der Preis beim Postbus auf der günstigsten Strecke für die Hinfahrt 57,50 Euro und für die Rückfahrt 43,50 Euro in einem Aktionspreis. Der normale Preis liegt für die Rückfahrtstrecke sogar bei 66,00 Euro. Kostenloses Wlan, Steckdosen und Klimaanlage gibt es natürlich auch im Postbus, ebenso Snacks und Getränke, eine SMS-Info bei Verspätungen und ein Media Center zur Unterhaltung der Passagiere. Handgepäck und das erste Gepäckstück sind auch hier kostenlos, für das zweite Gepäckstück werden 2,00 Euro und für jedes weitere Gepäckstück 10,00 Euro fällig.

Erwähnenswert ist noch, dass sowohl MeinFernbus/Flixbus als auch Postbus zusätzlich etwas für die Umwelt tun, indem ein Teil des Fahrpreises investiert wird, um die während der Fahrt entstehenden Treibhausgase durch Klimaschutzprojekte auszugleichen.

 

Postbus-Vergleich

 

Fazit

Dieser Fernbus Vergleich zeigt schon zwei Dinge ganz eindeutig: Erstens sind Fernbusse als Reisemittel eine hervorragende Alternative zu Bahn, Flugzeug und dem eigenen Auto. Nicht nur, weil im Vergleich zum eigenen Fahrzeug deutlich die Umwelt geschützt wird. Sondern auch, weil eine Fahrt mit einem Fernbus heute eine wirklich komfortable Sache ist.

Und zweitens wird klar, dass man bevor man eine Reise mit einem Fernbus bucht, auf jeden Fall einen Preisvergleich verschiedener Anbieter machen sollte, denn die Preise können deutlich auseinandergehen. Wichtig ist auch, bei der Buchung genau auf die Fahrzeiten zu achten, damit man möglichst morgens ausgeruht am Zielort ankommt und abends wieder abfährt, vor allem, wenn man nur ein Wochenende irgendwo verbringen möchte.

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