Dark Tourism

Die 7 düstersten Ausflugsorte der Welt

Wer von euch hat schon einmal von dem Begriff Dark Tourism gehört? Noch nicht? Dann passt mal auf: Dark Tourism ist eine ganz spezielle neue Art von Tourismus, der Ausflugsorte betrifft, an denen unfassbar Schreckliches passiert ist. Das ist sehr oft verbunden mit Tod und dramatischen menschlichen Schicksalen. Wir begeben uns also freiwillig an verstörende Orte, an denen Grausames geschehen ist. Aber wieso?

 

Es gibt 2 Erklärungen, warum wir uns zu solchen düsteren Orten hingezogen fühlen: Die erste Erklärung besagt, dass wir diese Orte bereisen wollen, weil uns das hilft, das Leid der Opfer nachzuempfinden. Die zweite bezieht sich auf unsere bizarre Lust an allem Schrecklichen – wir finden es einfach unheimlich interessant, diese Orte zu besuchen, mit dem Wissen, was dort geschehen ist. Macht euch bereit, nun folgen die 7 düstersten Ausflugsorte der Welt!

 

Die 7 düstersten Ausflugsorte der Welt im Überblick

1. Tschernobyl und die Geisterstadt Prypjat

Starten wir mit einem sehr bekannten Ort, der definitiv unter den Begriff Dark Tourism fällt: Tschernobyl und die Geisterstadt Prypjat. Tschernobyl steht heute für die schlimmste nukleare Katastrophe in Europa. 1986 gab es bei einem Versuch einen schweren Unfall in einem Reaktor des Atomkraftwerkes Tschernobyl in der Ukraine, was dazu führte, das die komplette umliegende Umwelt stark verstrahlt wurde. Selbst in tausenden Kilometer entfernten Ländern wurden noch erhöhte Strahlenwerte gemessen, so auch in Deutschland. Es ist davon auszugehen, dass mehr als 4000 Menschen direkt und indirekt durch das Unglück von Tschernobyl starben.

 

Die Stadt Prypjat liegt ca. 4 Kilometer von Tschernobyl entfernt und wurde speziell als Siedlung für die Atomkraftwerk-Arbeiter angelegt – zu Zeiten des Unglücks lebten hier etwa 49.000 Menschen. Da rund um Tschernobyl eine Schutzzone von 30 Kilometern eingerichtet wurde, liegt Prypjat inmitten dieser Zone. Das bedeutet, dass die Bewohner von Prypjat Hals über Kopf ihr Zuhause verlassen mussten, was heutzutage noch deutlich zu sehen ist, da viele Gegenstände zurückgelassen werden mussten. Des Weiteren ist unübersehbar, dass sich die Natur wieder in der kompletten Stadt ausbreitet. Falls ihr nun einen Drang verspüren solltet, an diesen düsteren Ort zu reisen: Nach Prypjat werden unter anderem von Kiew aus diverse Tagestouren angeboten.

 

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2. Der Prominenten-Friedhof von Père Lachaise

Ein weiterer düsterer Ort ist der Friedhof von Père Lachaise in Paris. Er stellt den größten Friedhof in Paris dar und weiterhin auch den am meisten besuchten der Welt: etwa 3,5 Millionen Menschen reisen jährlich an diese schaurige Stätte. Unter anderem fanden hier schon der Komponist Frederic Chopin, der Schriftsteller Oscar Wilde, die Chanson-Sängerin Edith Piaf und der Rocksänger Jim Morrison ihre letzte Ruhe – ein echter Prominenten-Friedhof. Der Eintritt ist frei, allerdings werden auch diverse Führungen angeboten, in denen ihr euch alles über den Friedhof und die Grabstätten erklären lassen könnt.

 

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3. Ground Zero – das zerstörte World Trade Center

Gehen wir nun zum nächsten Ziel des Dark Tourism in die USA. Genauer: Zum Ground Zero in New York, der eine Gedenkstätte an die Opfer der Anschläge vom 11. September 2001 ist. Wo ehemals die Zwillingstürme des World Trade Centers standen, findet ihr heute das 9/11 Memorial. Rund um die beiden Pools sind die Namen aller 3000 Opfer in Bronze eingraviert – ein Zeichen, dass sie niemals vergessen werden. Auf dem Gelände des Ground Zero findet ihr auch ein Museum, in dem unter anderem Trümmer des World Trade Centers ausgestellt sind. Auf der Website des „911 Memorial & Museum“ findet ihr alle Infos, die ihr für einen Besuch der Gedenkstätte braucht. Auf der Website findet ihr auch eine Live-Webcam, mit deren Hilfe ihr mal einen Blick auf Ground Zero werfen könnt.

 

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4. Konzentrationslager in Deutschland und Polen

Kommen wir nun zu einem äußerst dunklen Kapitel der deutschen Geschichte: Der Holocaust, der mit dem 2. Weltkrieg einherging. In den Jahren 1941 – 1945 wurden schätzungsweise an die 6,3 Millionen Juden in diesem Völkermord ermordet. Viele von ihnen wurden in sogenannte Konzentrationslager verfrachtet, wo sie Zwangsarbeit leisten mussten und oftmals auf grausame Weise getötet wurden. In den 1960-Jahren begann man, die Konzentrationslager in Deutschland und Polen als Gedenkstätten an die Opfer des nationalsozialistischen Terrors aufzubereiten.

 

Alle in Deutschland liegenden Gedenkstätten werden vom Bund und den Ländern finanziert, die Gedenkstätte Auschwitz vom Auswärtigen Amt, da sie in Polen liegt. Mit der Öffnung der Konzentrationslager für Besucher soll die Erinnerung an die Opfer und an all das Schreckliche, was ihnen widerfahren ist, am Leben gehalten werden. Es dient als Mahnung und Mittel gegen das Vergessen und damit einer der 7 düstersten Ausflugsorte der Welt.

 

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5. Die Killing Fields in Kambodscha

Der nächste Ort, an dem es viele „dark tourists“ gibt, sind die Killing Fields in Kambodscha. Die Geschichte dieses Ortes ist, wie die der anderen in diesem Artikel, schrecklich und grausam. Unter der Herrschaft der Roten Khmer (1975 – 1979) wurden rund 2 Millionen Kambodschaner brutal ermordet – das ist in etwa ein Drittel der Gesamtbevölkerung. Unter den Opfern waren vor allem Intellektuelle und Akademiker – Ärzte, Professoren, Lehrer und auch Mönche.

 

Der Diktator Pol Pot hatten die irrsinnige Vision, eine von Grund auf neue Gesellschaft zu etablieren. Dazu musste er alle Gebildeten auslöschen, auch die Technik und das Bürgertum sollten komplett abgeschafft werden. Die Killing Fields in Kambodscha umfassen an die 300 Orte, an denen etwa 100.000 Menschen durch die Roten Khmer grausam getötet wurden. Das wohl bekanntest Killing Field ist Choeung Ek, circa 17 Kilometer von der Hauptstadt Kambodschas Phnom Penh entfernt. Hier werden heutzutage in Gedenken an die Toten unzählige Totenschädel in einer Stupa aufbewahrt. Des Weiteren steht hier der sogenannte Killing Tree. An diesem Baum wurden Kinder und Babies von den Roten Khmer ermordet, indem sie gegen den Baum geschlagen wurden – um Munition zu sparen.

 

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6. Die verschüttete Stadt von Pompeji

Kommen wir nun zum wohl ältesten Ort der unter den Begriff Dark Tourism fällt: Die verschüttete Stadt von Pompeji. Diese antike süditalienische Stadt liegt seit dem Jahre 79 n. Chr. unter dem Schutt des Vesuv begraben, zu dessen Fuße sie liegt. Bei dem fatalen Ausbruch kamen etwa 2000 Menschen ums Leben, 18.000 gelang die Flucht aus der Stadt – so vermuten es Wissenschaftler. Vor dem Vulkanausbruch ging es den Menschen aus Pompeji prächtig: ihre Stadt florierte aufgrund des Hafens, an dem tagtäglich Schiffe aus aller  Welt Waren anlieferten und abtransportierten. Bis zum dunklen Tag, an dem der Vesuv das Leben in der Stadt auslöschte.

 

Lange war es dann ruhig um die verschüttete Stadt und ihre Opfer, bis sich die Menschen in der Renaissance ganz plötzlich wieder dafür begeisterten. Das ist wohl auch der Start des Dark Tourism nach Pompeji. Die Leute schauten sich dabei die wohl ersten Ausgrabungen Pompejis an, welche allerdings eher ein Gewühle im Schutt, als eine sachgerechte Ausgrabung waren. Im 19. Jahrhundert begannen dann die ersten gründlichen Grabungen in Pompeji, die dafür verantwortlich sind, dass die versteinerten Leichen der Opfer heute so gut erhalten sind. Sie wurden unter der Lava begraben, ihr Körper zersetzte sich und nur die Knochen blieben unter der erkalteten Lava zurück. Falls ihr Pompeji besuchen wollt, gelangt ihr über drei Eingänge in die verschüttete Stadt, die Besuchszeiten sind ganzjährig (außer an bestimmten Feiertagen). Ein Tagesticket kostet euch 13€, ermäßigt 7,50€ (Für 18 – 25-Jährige EU-Bürger). Tipp: Jeden ersten Sonntag im Monat ist der Eintritt kostenlos.

 

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7. Der düstere Selbstmordwald in Japan

Jetzt wird es noch einmal besonders düster: In Japan gibt es einen Wald, in dem sich überdurchschnittlich viele Menschen umbringen. Es handelt sich um den Aokigahara am Fuße des Berges Fuji, den viele nur noch als den Selbstmordwald bezeichnen. Die Bäume im Aokigahara stehen unglaublich dicht und der Wald wirkt sehr düster, die „perfekte“ Kulisse für einen Selbstmord für einige Japaner, so bizarr es auch klingt. Nach der Golden Gate Bridge in San Francisco sollen hier weltweit die meisten Suizide geschehen – bisher sollen sich hier schätzungsweise 500 Menschen das Leben genommen haben. Es ist also nicht selten, dass Wanderer und Waldarbeiter Leichen finden. Ihr versteht also, warum dieser Wald einer der 7 düstersten Ausflugsorte der Welt ist. Überlegt euch lieber zweimal, ob ihr diesem düsteren Ort einen Besuch abstatten möchtet.

 

Dark Tourism

 

Definitv ist der Dark Tourism eine Gratwanderung – Ob der Besuch solcher Orte helfen kann, das Leid der Opfer nachzuempfinden und Geschichte besser zu verstehen oder ob man so nur seine eigene Sensationslust stillen kann, muss jeder selbst entscheiden. Falls ihr euch für dunkle Orte interessiert, sind Lost Places sicherlich auch etwas für euch. Aber falls diese 7 düstersten Ausflugsorte nichts für euch sind, kann ich euch eher einen herkömmlichen Urlaub empfehlen!

 

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2 Kommentare

  • Stefan sagt:

    Unglücksorte… nun ja. Unglücke geschehen, auch wenn es in Tschernobyl ein selbst verursachtes Unglück war, weil eine Notfallübung schief ging und zum Ernstfall wurde. Aber Orte, an denen systematisch Menschen ermordet wurden, sollten kein touristisches High“leid“ werden, sondern dem Gedenken der Opfer und deren Angehörigen dienen. Auschwitz habe ich selbst schon besucht, allerdings nicht als Tourist, der sich irgendwie amüsieren wollte, sondern sehr bewusst. Und gerade als Deutscher fühlt man sich dort furchtbar – auch weil in fast jeder deutschen Familie die Vorfahren in irgendeiner Weise am System des Nationalsozialismus beteiligt waren. Durch aktive Beteiligung in der SS, SA, Wehrmacht oder durch Wegsehen und Ignorieren. Als touristisches Ziel ist solch ein Ort schlicht falsch beworben, er dient der Bildung, der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und einer Verpflichtung für die Zukunft.

    • Melanie sagt:

      Hallo Stefan! Du hast vollkommen Recht. Orte wie Auschwitz dienen der dem Gedenken der Opfer. Dark Tourism ist jedoch ein Teil der Toursimusbranche, der allerdings auch sehr kritisch betrachtet wird. Wir wollen Auschwitz hier auf keinem Fall zur einer Tourismusattraktion machen, sondern lediglich diesen Bereich des Tourismus‘ vorstellen. Liebe Grüße!

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